09/02: Jennerstier - Das war echtes Schibergsteigen! (DE)
Jennerstier summitErgbnissliste
Die erste offizielle Zusammenarbeit von deutschem und österreichischem Verband im Schibergsteigen geriet zu einem glänzenden Erfolg. Am Jenner im wunderschönen Berchtesgadener Land wurde eine Top- Veranstaltung im Wettkampf- Schibergsteigen abgehalten, die internationalen Ansprüchen genüge tat.
Die Vorarbeiten zu dieser ersten deutsch-österreichischen Veranstaltung dauerten Jahre. Viele Hürden mussten beseitigt werden, um endlich die nötigen Voraussetzungen für beide Verbände (DAV in Deutschland und ASKIMO in Österreich) zu schaffen. Mit dem Jennerstier und seinem Organisator Richard Lenz wurde schließlich auch die ideale Location gefunden.
Wie richtig die Wahl war, zeigte sich gestern. Natürlich machte das traumhafte Wetter in der bekannt wundervollen Landschaft des Berchtesgadener Landes gleich einmal einen Gutteil der Vorschusslorbeeren aus. Selten gibt es Wettkämpfe in solch traumhafter Umgebung. Aber auch bereits am frühen Morgen überraschte die Coolness, mit der die Helfer und Mitarbeiter die Sache angingen. Hektik gab es keine, dafür viele lachende Gesichter und sitzende Handgriffe. Man sah, dass die Königsseer bereits einiges an Erfahrung mit Sportveranstaltungen gesammelt haben.
Der Jenner mit seinen 1874 Metern sollte von der Elite der Schibergsteiger im deutschsprachigen Raum berannt werden. Während im Tal die Schneelage nicht berauschend war, versprach 1 Meter Pulver am Gipfel einen gutren Wettkampf. Um die guten Verhältnisse oben auszunutzen, wurde die Strecke kurzerhand etwas verändert und das Ziel zur Mittelstation verlegt. Der Start fand jedoch trotzdem pünktlich um 10:00 Uhr an der Talstation der alt-ehrwürdigen Jennerbahn statt (alleine diese Bahn ist einen Ausflug auf den Jenner wert, ein Erlebnis für sich!).
Nach dem Start ging es auf den letzten Schneeresten in rasantem Tempo aufwärts. Fast 140 Athleten (!)waren schließlich angetreten, um sich im deutsch-österreichischen Kräftemessen zu beweisen. Die ersten 600 Höhenmeter standen damit im Zeichen des gegenseitigen abtastens. Fast erwartungsgemäß lagen die Österreicher Andi Ringhofer und Andi Fischbacher in Führung, gefolgt jedoch innerhalb von 50 Metern von der gesamten Elite des hiesigen Rennsports in Lauerstellung. Ab der Mittelstation ging es ins alpine Gelände. In vielen, vielen Spitzkehren ging es durch den kleinen Spinnergraben aufwärts dem Jenner entgegen. Nun entbrannten die ersten Platzierungsgefechte. An der Bergstation der Jennerbahn gab es dann die Trennung zwischen der DM/ÖM Strecke und der „kurzen“ Jennerstier- Strecke.
Die Athleten auf der kürzeren Strecke – auch die Jugendlichen – stürzten sich bereits ab hier den vereisten großen Spinnergraben abwärts in Richtung Ziel. Der Spinnergraben stellte sich als Kriterium der Veranstaltung heraus, eine enorm schwierige, aber höchst interessante Abfahrt. Zudem vom Ziel für alle Zuschauer einsehbar! Den klassischen Jennerstier mit etwa 1.150 Höhenmeter entschied schließlich Herbert Reiter (Ruhpolding) mit 1:03:24 für sich, gefolgt von Bernd Tröbelsperger (Trisport Anger) mit 1:03:59 und Herbert Hohenwarter (A-USV Weißbach) mit 1:04:05.
Die Damenwertung entschied Annemarie Palzer (SK Ramsau) mit 1:21:52 vor Monika Müller (DAV Oberstaufen) mit 1:31:11 für sich.
Auf der langen Strecke wurde zwischenzeitlich das erste von zwei Mal zum Gipfel des Jenner aufgestiegen. In Führung noch immer Ringhofer/Fischbacher (AUT) vor Steurer/Strobel (GER), Stock/Kogler (AUT) und Echtler/Lex (GER). Und noch einer war vorne mit dabei: Alex Fasser aus Österreich, dessen Teampartner Stefan Widauer im Stau steckengeblieben war und der nun außerhalb der Wertung „nur so zum Training“ mitlief. Die erste Abfahrt durch den großen Spinnergraben mischte erstmals die Klassierung kräftig auf. Speziell der obere Teil, den sich die Teilnehmern der kurzen Strecke ersparen konnten, hatte es in sich. Steil, eisig, kräfteraubend. Während die einen jauchzend hinuntersprangen, pfiffen andere am letzten Loch….die Abfahrt ist beim Wettkampf- Schibergsteigen nicht zu unterschätzen!
Die Situation bei den Damen am ersten Anstieg: erwartungsgemäß sprang Barbara Gruber am Gipfelgrat wie eine Gams aufwärts und zog Ihre Teampartnerin Silvia Treimer mit. Das Team Grassl/Koch folgte den beiden aber auf dem Fuß, wohl wissend, dass Babs Gruber auf der Abfahrt Zeit liegen lassen könnte.
Beim zweiten Anstieg fielen einige Vorentscheidungen, das Feld hatte sich durchgemischt: Lokalmatador Franz Grassl hatte mit seinem Partner Stefan Klinger kräftig aufgeholt und mischte plötzlich vorne mit. Andi Fischbacher war blau gelaufen und hatte einen mächtigen Hungerast ausgefasst…sein Teampartner Andi Ringhofer motivierte ihn von hinten zur Belustigung der Zuschauer: „Glei hammas, dann fahrn ma owi und essen an Schweinsbraten!“. Zur Höchstform liefen Markus Stock und Stefan Kogler auf. Kogler, der als Pistenspezialist bekannt ist, wurde von Stock mirtgerissen und keuchte im vorbeiklettern am Gipfelgrat: „Wehe, irgendwer nennt mich nochmal Pistenflitzer!“
Und dann ging es ein letztes Mal den Spinnergraben hinein. Stock/Kogler übernahmen die Führung, es sah nach einer gelungenen Revanche für die Fußball-Schmach von letzter Woche aus. Aber leider war das Ziel zu weit unten: denn nur etwa 300 Meter vor der Ziellinie wurden die Österreicher noch vom deutschen Team Grassl/Klinger „geputzt“. Die Siegerzeit: 1:44:33. Die Zeit von Stock/Kogler: 1:44:38. Als drittes Team erreichten die deutschen Martin Echtler/Konrad Lex das Ziel mit 1:45:23.
Die deutschen Meister im Teambewerb 2008 heißen somit; Franz Grass und Stefan Klinger.
Die österreichischen Meister 2008 sind Markus Stock und Stefan Kogler.
Bei den Damen hatte sich die Taktik von Grassl/Koch ausgezahlt: in den Abfahrten holten sich die beiden den nötigen Vorsprung, um einen Sieg ins Ziel bringen zu können: mit 2:14:16 gewannen die beiden das Rennen und den deutschen Meistertitel vor Barbara Gruber und Silvia Treimer mit 2:21:06. Die Grassls damit einmal mehr an der Spitze des deutschen Tourenschisports!
Resümee: eine ausgesprochen gut organisierte und durchgeführte Veranstaltung. Der Jennerstier stellt den aktuellen Trend im Schibergsteigen perfekt dar. Es geht seit mehreren Jahren immer mehr ins Gelände, die Bezeichnung „Schibergsteigen“ wird immer wörtlicher umgesetzt. Den Organisatoren darf man herzlich gratulieren, sie haben das Rennen in allen Belangen hervorragend abgewickelt und zumindest nationales Niveau bewiesen. In den Gesprächen während der stimmungsvollen Siegerehrung wurde dem entsprechend schon über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit in der kommenden Saison gesprochen.
Hier gehts zur Ergebnisliste.
Und jetzt geht’s auf zur 2. Meisterschaft der Saison: der ÖM im Einzel im Rofan am kommenden Wochenende.
MEHR UBER JENNERSTIER BEI WWW.ASTC.AT













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